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A nervous splendor – Frederic Morton

Musicals mit historischem oder literarischem Bezug, die mir gefallen, wecken bei mir das Bedürfnis nach mehr Hintergrundinformationen. Um so glücklicher war ich bei meinem letzten Wien-Besuch endlich das Buch A nervous splendor von Frederic Morton zu finden, auf dem das Musical Rudolf – Affaire Mayerling beruht.

Alles schöner Schein im Kaiserreich

Wien im Jahr 1888 glänzt mit all seinen Prachtbauten und gesellschaftlichen Veranstaltungen und bereitet sich auf die Feier des 40. Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph vor. Es herrscht Hochstimmung, doch unter der schönen Fassade bröckelt es. Allem voran Kronprinz Rudolf, intelligent und charmant im Auftreten, doch von seinem Vater und dessen Beratern ins politische Abseits gedrängt, macht seiner Frustration mit anonymen Artikel im Wiener Tagblatt, der Zeitung seines jüdischen Freundes Moritz Szebs, Luft. Und auch Rudolfs Zeitgenossen, wie Siegmund Freud, Gustav Klimt oder Anton Bruckner hadern mit sich. Die Monarchie kämpft gegen Aufrührer in den entlegenen Provinzen und Selbstmorde in allen Gesellschaftsschichten, aber insbesondere in der Bürgerschicht, bestimmen das Tagesgeschehen. Antisemitismus ist auf dem Vormarsch. Als der Kronprinz dann auf die junge Mary Baroness Vetsera trifft, nimmt das Unvermeidliche seinen Lauf.

Fazit

Frederic Morton zeichnet mit seinem Buch das Bild einer einer fragilen Gesellschaft, die krampfhaft versucht den alten Glanz zu bewahren und an Traditionen festzuhalten, anstatt sich dem Fortschritt zuzuwenden. Dabei steht Kronprinz Rudolf von Habsburg und seine Affäre mit der jungen Mary Vetsera eindeutig im Mittelpunkt. Doch durch das „Zuwortkommen“ von Rudolfs Zeitgenossen, bekommt man als Leser ein noch umfangreicheren Einblick in das prägende Lebensgefühl der Wiener in den Jahren 1888/89. Es brodelt unter Fassade von Glanz und Gloria ganz gewaltig und der Doppelselbstmord von Rudolf und Mary ist der Auslöser mit den entgültigen Untergang der Monarchie.

Durch das Lesen von A nervous splendour hat das Musical für mich noch eine weitere Dimension erhalten. Allen, die das Musical mochten, kann ich das Buch als weiterführende Lektüre sehr empfehlen. aber auch generell Geschichtsinteressierte kommen bei diesem Buch auf Ihre Kosten.

Weitere Infos

Das Buch ist auf Englisch bei Penguin erschienen und entweder im sehr gut sortierten Buchhandel oder bei Amazon* (auch für Kindle) erhältlich. Die deutsche Ausgabe mit dem Titel Ein letzter Walzer ist nur noch als gebrauchtes Buch* erhältlich.