Sweeney Todd, Oper Kiel

Am Wochenende ging es nach langer Zeit mal wieder ins Musical für mich. Die Oper hier in Kiel zeigte Sweeney Todd – Der Teufelsbabier von der Fleet Street. Da ich den Film damals sehr mochte, wollte ich es mir nicht entgehen lassen.

Theater & Atmosphäre

Das Kieler Opernaus ist kleiner als ich erwartet hatte. Innen charmant im Stil der 50er Jahre gehalten. Der Zuschauerraum wirkt allerdings durch die runde Form etwas beengend. Und die Luft war schon vor der Vorstellung stickig und warm. Doch die Sitze waren bequem genug, um dort knapp drei Stunden zu verweilen.

Worum geht’s?

London, Mitte des 19. Jahrhunderts: der aus der Verbannung heimgekehrte Barbier Sweeney Todd sinnt auf Rache an Richter Turpin, der vor 15 Jahren sein Familienglück zerstört hat und dessen Tochter nun als Mündel bei sich aufzieht. Er tut sich mit der zwielichtigen Pastetenbäckerin Mrs. Lovett zusammen, die er mit der menschlichen Pastetenfüllung versorgt, während er seine tödlichen Rasierkünste an seinen Kunden erprobt. Alles in Vorbereitung darauf Richter Turpin seine allerletzte Rasur zu verpassen.

Die Besetzung

Die Besetzung des Stücks war hervorragend. Die beiden Kammersänger Jörg Sabrowski und Heike Wittlieb als Sweeney Todd und Mrs. Lovett haben sich wundervoll ergänzt und eine herrliche Chemie auf der Bühne aufgebaut.

Auch der Rest des Ensembles war wunderbar. Bei den Massenszenen, insbesondere zu Beginn, habe ich teilweise Gänsehaut bekommen.

Blick in den Orchestergraben

Und der ganze Rest

Das Bühnenbild war reduziert, funktionierte aber einwandfrei. Insbesondere Sweeneys Barbierstuhl im zweiten Akt fand ich aufgrund der Mechanik sehr gut gemacht. Am Blut wurde besonders im zweiten Akt nicht gespart. Es spritzte in Fontänen. Herrlich…. So wie es sich für diese Stück auch gehört. Die Kostüme waren an das 19. Jahrhundert angelehnt, aber dennoch modern.

Das Publikum des Nachmittags war bunt gemischt, doch ein Großteil war über 60. Einige sind schon nach dem ersten Akt gegangen, da ihnen das Stück zu blutig war. Dabei ging das Morden im zweiten Akt erst richtig los.

Leider hat auch an diesem Nachmittag die Theateretikette gelitten, denn die ersten sind schon aus ihren Sitzen aufgesprungen noch bevor der Schlussapplaus richtig losgegangen ist. Das ist respektlos gegenüber den Darstellern. Man bleibt an seinem Platz bis der Vorhang endgültig gefallen ist. Auch wenn’s eine halbe Stunde dauert, aber ich glaube das wird sich nie ändern. Auch Standing Ovations waren so gut wie nicht vorhanden. Nur ich und ein paar andere standen im Parkett auf. Schade eigentlich, denn die Vorstellung war gelungen.

Treppe zum oberen Foyer

Fazit

Es war ein kurzweiliger Nachmittag für mich. Das Stück wird nicht in meine Favoritenliste wandern, da die Musik des Stücks teilweise wirklich sehr dissonant ist. Auch konnte ich bei der Vielstimmigkeit irgendwann den Text nicht mehr verstehen. trotzdem bin ich froh, dass so ein kontroverses Stück in der Oper gebracht wird.